09.11.25 – Gut und Böse

Impuls

GUT UND BÖSE - Ein Impuls von Frank Tilo Becher

Bibelvers

1. Könige 3,9

So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.

Impuls

Im alten Israel wird König Salomo gefragt, was er sich wünsche – und er bittet nicht um Ruhm, nicht um Macht, sondern um ein verständiges Herz. Ein Herz, das unterscheiden kann zwischen Recht und Unrecht, zwischen dem, was verbindet, und dem, was entzweit. Eine Bitte, die ganz aktuell auch für das steht, was in modernen Demokratien leitend sein sollte: Macht nicht um der reinen Macht und des persönlichen Vorteils willen, sondern als Auftrag, für das Gemeinwohl zu arbeiten.
Was bedeutet das für lokale Politik in einer Stadt wie Gießen? Auch hier steht nicht abstraktes Kalkül im Vordergrund, sondern das Hinhören: Auf die Familie, die bezahlbaren Wohnraum sucht; auf die Studierenden, die für ihre Ausbildung zu uns kommen; auf die Seniorinnen und Senioren, die ihre Erfahrungen nach dem Berufsleben im Ehrenamt weitergeben. Ein verständiges Herz ist dabei ein guter Kompass.
Es ist die leise Stimme, die fragt: Wird eine Entscheidung uns in der Stadt mehr verbinden oder trennen? Schafft diese Maßnahme Chancen für alle – und wenn nicht, wo kann nachgesteuert werden?
In Salomos Geschichte geht es nicht um das größte Heer oder die prächtigste Residenz, sondern um Urteilsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Beides brauchen wir, um in unserer vielfältigen Stadtgesellschaft Frieden zu stiften: zwischen den Generationen, den Kulturen und Religionen und zwischen den vielfältigen Lebensentwürfen.
Wer politische Verantwortung trägt, muss das eigene Herz weiten für die vielfältigen Stimmen in der Bürgerschaft, um entdecken zu können, wie viel Gutes möglich ist – gerade in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt auch in den Kommunen keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Soll uns der Wunsch nach einem verständigen Herzen leiten, wenn wir gemeinsam Brücken bauen, Begegnungsräume schaffen und den Dialog pflegen. Denn dort, wo wir uns auf Augenhöhe begegnen, erwacht Frieden, dort wächst Vertrauen und gute Nachbarschaft.

Aktionsvorschlag

Ich lade Sie ein, in dieser Friedensdekade nicht nur zuzuhören, sondern selbst Weckruf zu sein: für Offenheit, Rücksicht, Respekt und ein großes Herz füreinander.

Ein Impuls von:
Frank Tilo Becher
Oberbürgermeister der Universitätsstadt Gießen

Andacht

Die Andacht des heutigen Tages

Begrüßung

Eine Stimme

Schalom – Friede – Salam: In Gottes Namen sind wir zusammen.

Alle

Wir halten inne.

Eine Stimme

Wir schauen auf das, was uns sorgt.

Alle

Wir schauen auf das, was wir hoffen.

Eine Stimme

Wir schauen auf Gott.

Psalm 85,9-14

Eine Stimme

Wir beten mit Worten des 85. Psalms

Alle

         

Ich will hören, was Gott zu sagen hat.
         Der Herr redet vom Frieden.
         Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.
Doch sie sollen nicht mehr zurückkehren
zu den Dummheiten der Vergangenheit!
         Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm gehören.
Dann wohnt seine Herrlichkeit wieder in unserem Land:
Güte und Treue finden zueinander.
         Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.
         Treue wächst aus der Erde empor.
Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.
         Auch schenkt uns der Herr viel Gutes,
         und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.
Gerechtigkeit zieht vor ihm her
und bestimmt die Richtung seiner Schritte.

Amen

Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken"

Komm, Frieden, lass dich wecken,  
hilf uns heraus aus Krieg und Leid.  
Komm, Frieden, lass dich wecken,  
beende allen Streit.  

1.Denn uns ist angst und bange  
um diese eine Welt!  
Wir sehn, wie einstmals Schönes  
In Trümmern liegt, zerfällt.  
Komm, Frieden, lass dich wecken…  

2. Wir sehen Menschen weinen,  
vertrieben, auf der Flucht –  
und möchten Hoffnung säen,  
die blüht zu reicher Frucht.  
Komm, Frieden, lass dich wecken…  

3. Wir hörn und sehen Drohnen;  
Krieg: Klinisch und eiskalt.  
Dahinter stecken Menschen –  
Wer stoppt sie, zwingt zum Halt?  
Komm, Frieden, lass dich wecken…  

Text: Eugen Eckert zur Melodie EG 225, © beim Urheber  

Lesung

1. Könige 3,9

Gib mir, deinem Knecht, ein hörendes Herz.
Nur so kann ich dein Volk richten
und zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Wie sonst könnte man Recht schaffen in deinem Volk,
das doch so bedeutend ist?

Gedanken

Gut und Böse

Komm den Frieden wecken … davon erzählt diese Bibelgeschichte, in der ein König schläft und träumt. Dem König Salomo erscheint nachts im Traum Gott und fragt: „Was willst du, dass ich dir gebe?“ Salomo wünscht sich: „Gib mir ein verständiges Herz, damit ich recht richte und Gut und Böse unterscheiden kann.“
Für Salomo folgt aus dem Verstehen die Fähigkeit, gerecht zu richten. Noch im Traum ist er offenbar Realpolitiker genug, um zu wissen: Es gibt Gut und Böse in dieser Welt. Menschen sind zu beidem fähig. Wir können lieben und heilen, wir können zerstören und morden.
Gott hat den Menschen die Freiheit des Handelns gegeben. Darum verbindet Salomo mit dem verständigen Herzen auch ein Wissen darum, was gut und was böse ist. Er will eine Gerechtigkeit, die sich am Wohl von Menschen orientiert. So möchte Salomo König sein.
Ich denke an die Regierenden meiner Zeit. Wo beobachte ich ein verständiges Herz? Wer ist bereit zuzuhören, sich in andere hinein zu versetzen? Geht es nicht eher um die eigenen Interessen, den Deal, den Profit, mehr Land? Salomo ist mit seinem Wunsch in die Geschichte eingegangen als Sinnbild einer weisen Regierung. Zu ihr gehört die Stärke des Rechts, nicht das Recht des Stärkeren.
Was würde ich antworten auf Gottes Frage: „Was willst du, dass
ich dir gebe?“ Fast reflexartig denke ich zuerst an die Gesundheit und das Wohlergehen der Familie. An mich und meine Belange also. Erst im zweiten Nachdenken nehme ich in den Blick, was mindestens genauso zählt: das Zusammenleben, die Begegnung, ein gutes Miteinander. Das gilt in der Nachbarschaft, im Verein, an der Arbeit, im politischen und sozialen Miteinander. Überall dort ist gefragt, was Salomo sich wünscht: ein verständiges Herz. Einander zuzuhören, respektvoll und ohne Scheuklappen. Achtsam sein, wo Menschen andere schlechtmachen, ausschließen, diskriminieren. Ja, ein verständiges Herz ist ein weiser Wunsch.

(Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW)

Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken"

4. Wir kennen die Despoten,  
die herzlos rekrutiern.  
Hilf uns, sie zu enttrohnen,  
sie solln die Macht verliern.  
Komm, Frieden, lass dich wecken…  

5. Die Kraft, die uns beflügelt,  
ist unsres Gottes Wort.  
Es segnet Friedensstifter  
weltweit, an jedem Ort.  
Komm, Frieden, lass dich wecken…  

Text: Eugen Eckert zur Melodie EG 225, © beim Urheber

Gebet

Eine Stimme

Gott, wir bitten um Frieden in (...), in (...), in (…).
So viele Kriege gibt es in der Welt.
Sei bei den Verwundeten.
Nimm die Toten zu dir.
Wecke den Frieden.

Wir bitten für die Völker der Welt:
Stärke gemeinschaftliches Handeln zum Wohl der Menschen.
Wecke den Geist für Friedensverhandlungen statt Waffen.

Eine Erde hast du uns gegeben.
Wir sind nicht allein auf ihr,
Wir bitten für die Tiere und Pflanzen,
belebte Materie, Wasser, Luft und Wind.

Und für uns, kleiner Teil des großen Ganzen,
bitten wir um Zukunft und Umkehr.
Bewahre uns Gott, in Zeit und Ewigkeit.

Eine Stimme

Gemeinsam beten wir:

Alle

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied "Bewahre uns, Gott"

Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.  

 Text: Bewahre uns, Gott EG 171,
Melodie: Anders Ruuth, Text: Eugen Eckert, Strube Verlag, 1985 

Segen

Eine Stimme

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Alle

Amen.

Lied

"Sag mir wann"

Sag mir wann

Die Heimat im Rücken, ein fremdes Land vor Dir,
der Krieg zieht seine Spuren hinter sich her.
Gestern wurde hier noch im Gleichschritt marschiert,
doch von Soldaten ist nichts mehr zu hör’n.
Ein kleiner Beutel, ein Name darauf,
ein Kind, das nicht weiß, wohin es jetzt geht.
Mama und Papa sagen: Kind komm schon, lauf
und fragen sich nur, wie soll’n wir das erklär’n?

Sag mir, wann kommen wir an in einer Welt, die nicht stillstehen kann?
Die entwurzelt und verweht.
Sag mir, kannst Du das versteh’n?
Wir könn’ in diesem Leben nur gemeinsam besteh’n.

Die Heimat im Herzen, ein Zuhause hier,
ein neues Leben, hart erkämpft, aufgebaut.
Doch das Gefühl wie ein blinder Passagier,
immer wieder glauben, immer wieder vertraun‘.
Neue Wurzeln schlagen, gegen den harten Wind,
bis kleine Knospen, neu beginnen zu blühen.
Bis die alte Angst in Hoffnung zerinnt,
bis aus Überleben wieder Leben beginnt.

Sag mir, wann kommen wir an in einer Welt, die nicht stillstehen kann?
Die entwurzelt und verweht.
Sag mir, kannst Du das versteh’n?
Wir könn’ in diesem Leben nur gemeinsam besteh’n.

Mögen die Wege auch andere sein,
es sind die gleichen Fragen, sind die gleichen Ängste,
sind die gleichen Gründe, heute noch.

Wann kommen wir an in einer Welt, die nicht stillstehen kann?
Die entwurzelt und verweht.
Sag mir, kannst Du das versteh’n?
Wir könn’ in diesem Leben nur gemeinsam besteh’n.
Wir könn’ in diesem Leben nur gemeinsam besteh’n.

Text und Musik: Marek Janietz
aus "Komm, wir sing’n für den Frieden, 8 Friedensorte – 8 Friedenslieder"
www.friedensorte.de