13.11.25 – Den Menschen sehen
DEN MENSCHEN SEHEN - Ein Impuls von Kathrin Strobel
Bibelvers
Matthäus 8, 13
„Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.“
Impuls
Der Hass scheint unüberwindbar. Wie jemandem verzeihen, der unsere Lieben ermordet hat? Wie sich versöhnen mit Menschen, die Vergewaltigungen, Folter und Gewalt gegen Unschuldige durch ihre Unterstützung der Täter erst ermöglicht und mitgetragen haben, und so auch verantworten? Wut und Hass sind Wege, Schmerz zu kanalisieren, manchmal vielleicht der einzige Weg, ihn auszuhalten. Noch öfter allerdings sind Wut und Hass Wege, um andere Menschen zu kontrollieren und zu instrumentalisieren. Durch die Abgrenzung vom angeblichen Feind wird ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt, das politische Macht verspricht. So entstehen Konflikte, eskalieren und werden gewaltsam fortgeführt. Hutu und Tutsi etwa, zwischen denen die Spannungen 1994 im ruandischen Völkermord mit 800.000 Toten gipfelten, wurden durch die rassistische Interpretation sozialer Gruppen und ihrer Nutzung im Herrschaftssystem der deutschen Kolonialmacht erst als Ethnien erschaffen. Spaltungen, einmal entstanden, sind hartnäckig und verhärten sich in den häufig entstehenden Gewaltspiralen. Gewaltvoll ausgetragene Konflikte allerdings sind eines der größten Hindernisse für umfassende Entwicklung und die Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Verständigung und Versöhnung, so übermenschlich sie erscheinen, sind daher zentral für ein Leben in Würde für alle. In Mt 8,13 – „Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast“ – fordert die Bibel uns heraus, das Übermenschliche zu tun. Die Geschichte war zur Zeit ihrer Verfassung ein Aufreger: wie kann Jesus mit dem Hauptmann sprechen, der das gewaltsame und unterdrückerische römische Regime repräsentiert, seinen Glauben preisen, wo die Römer doch ganz anderen Göttern huldigen, und dann auch noch seinen Knecht heilen? So wie Jesus damals gehen auch heute einzelne Individuen und Organisationen auf den vermeintlichen Feind zu. Im Grenzgebiet zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo manifestieren sich die alten Spannungen zwischen Hutu und Tutsi heute noch am deutlichsten. Dort stellen sich protestantische Schulen mit Friedenserziehung und Austausch gegen die Fortführung von Hass und Stereotypen, die 30 Jahre nach dem Genozid die Beziehungen zwischen den Staaten und ihrer Bevölkerung prägen. So entsteht Verständigung inmitten des aktuell wieder wütenden Krieges. Ein neues Gemeinschaftsgefühl wird erschaffen, der Hass scheint überwindbar.
Aktionsvorschlag
Machen Sie sich Ihre eigenen, unbewussten Vorurteile gegen bestimmte Gruppen von Menschen bewusst mithilfe des an der Harvard University entwickelten Impliziten Assoziationstests. Er dauert nur ein paar Minuten! (hier gehts zur deutschen Version: Implicit Homepage)
Ein Impuls von:
Dr. Kathrin Strobel
Leiterin Bereich Internationale Programme / Brot für die Welt
Die Andacht des heutigen Tages
Begrüßung
Schalom – Friede – Salam: In Gottes Namen sind wir zusammen.
Wir halten inne.
Wir schauen auf das, was uns sorgt.
Wir schauen auf das, was wir hoffen.
Wir schauen auf Gott.
Psalm 85,9-14
Wir beten mit Worten des 85. Psalms
Ich will hören, was Gott zu sagen hat.
Der Herr redet vom Frieden.
Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.
Doch sie sollen nicht mehr zurückkehren
zu den Dummheiten der Vergangenheit!
Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm gehören.
Dann wohnt seine Herrlichkeit wieder in unserem Land:
Güte und Treue finden zueinander.
Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.
Treue wächst aus der Erde empor.
Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.
Auch schenkt uns der Herr viel Gutes,
und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.
Gerechtigkeit zieht vor ihm her
und bestimmt die Richtung seiner Schritte.
Amen
Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken"
Komm, Frieden, lass dich wecken,
hilf uns heraus aus Krieg und Leid.
Komm, Frieden, lass dich wecken,
beende allen Streit.
1.Denn uns ist angst und bange
um diese eine Welt!
Wir sehn, wie einstmals Schönes
In Trümmern liegt, zerfällt.
Komm, Frieden, lass dich wecken…
2. Wir sehen Menschen weinen,
vertrieben, auf der Flucht –
und möchten Hoffnung säen,
die blüht zu reicher Frucht.
Komm, Frieden, lass dich wecken…
3. Wir hörn und sehen Drohnen;
Krieg: Klinisch und eiskalt.
Dahinter stecken Menschen –
Wer stoppt sie, zwingt zum Halt?
Komm, Frieden, lass dich wecken…
Text: Eugen Eckert zur Melodie EG 225, © beim Urheber
Lesung
Matthäus 8, 5-13
5 Jesus ging nach Kapernaum.
Da kam ihm ein römischer Hauptmann entgegen.
Er sagte zu Jesus:
6 »Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause.
Er hat furchtbare Schmerzen!«
7 Jesus antwortete:
»Ich will kommen und ihn gesund machen.«
8 Der Hauptmann erwiderte:
»Herr! Ich bin es nicht wert,
dass du mein Haus betrittst!
Aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund!
9 Denn auch bei mir ist es so,
dass ich Befehlen gehorchen muss.
Und ich selbst habe Soldaten, die mir unterstehen.
Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹,
dann geht er.
Und wenn ich zu einem anderen sage: ›Komm!‹,
dann kommt er.
Und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das!‹,
dann tut er es.«
10 Als Jesus das hörte, staunte er.
Er sagte zu den Leuten, die ihm gefolgt waren:
»Amen, das sage ich euch:
Bei niemandem in Israel
habe ich so einen Glauben gefunden!
11 Ich sage euch: Viele werden aus Ost und West kommen.
Sie werden mit Abraham, Isaak und Jakob
im Himmelreich zu Tisch liegen.
12 Aber die Erben des Reiches
werden hinausgeworfen in die völlige Finsternis.
Da draußen gibt es nur Heulen und Zähneklappern.«
13 Dann sagte Jesus zum Hauptmann:
»Geh! So wie du geglaubt hast, soll es geschehen!«
In derselben Stunde wurde sein Diener gesund.
Gedanken
Den Menschen sehen
Zu Jesus kam ein römischer Hauptmann und bat ihn, seinen Diener zu heilen. Er sagte sogar, es sei nicht nötig, dass Jesus in sein Haus komme. Ein Wort von ihm genüge. Als der Offizier wieder gegangen war, lobte ihn Jesus vor den um ihn versammelten Leuten. Einen solchen Glauben habe er in Israel noch nicht gefunden.
Die Szene, von der hier die Rede ist, ist von einer gewissen Brisanz. Jesus lobt einen Offizier der römischen Besatzungsmacht, die den besetzten Israeliten aus verständlichen Gründen verhasst war. Es gab in Israel damals Gruppen, die einen bewaffneten Aufstand gegen die Römer planten. Sympathisanten von ihnen, sogenannte Zeloten, waren auch unter den Jüngern Jesu. War Jesus also ein Freund der römischen Besatzungstruppen? Sicher nicht. Aber er sah in dem einzelnen Soldaten nicht den Gegner, sondern den Menschen.
Jeder Krieg geht einher mit der Dämonisierung und Herabwürdigung des Gegners. Alles nur denkbar Schlechte wird über ihn gesagt und geschrieben, oft auch Falsches und meist wird übertrieben. Ein Ukrainer, der gut über Russen und ein Russe, der gut über Ukrainer spricht, zeigt Mut und wird manche Freundschaft aufs Spiel setzen, wenn ihm nicht sogar Schlimmeres passiert. Doch, es sind gerade diese Leute, die Frieden stiften. Das gilt für internationale Kriege wie auch für Streit in der Nachbarschaft oder zwischen Gruppen. Das entspricht dem Motto der Friedensdekade: „Komm, den Frieden wecken!“. Dem kommen wir näher, wenn wir im Gegner den Menschen sehen, den Bruder, die Schwester.
(Pater Reinhold Baumann, Comboni Missionare, Ellwangen)
Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken"
4. Wir kennen die Despoten,
die herzlos rekrutiern.
Hilf uns, sie zu enttrohnen,
sie solln die Macht verliern.
Komm, Frieden, lass dich wecken…
5. Die Kraft, die uns beflügelt,
ist unsres Gottes Wort.
Es segnet Friedensstifter
weltweit, an jedem Ort.
Komm, Frieden, lass dich wecken…
Text: Eugen Eckert zur Melodie EG 225, © beim Urheber
Gebet
Gott, wir bitten um Frieden in (...), in (...), in (…).
So viele Kriege gibt es in der Welt.
Sei bei den Verwundeten.
Nimm die Toten zu dir.
Wecke den Frieden.
Wir bitten für die Völker der Welt:
Stärke gemeinschaftliches Handeln zum Wohl der Menschen.
Wecke den Geist für Friedensverhandlungen statt Waffen.
Eine Erde hast du uns gegeben.
Wir sind nicht allein auf ihr,
Wir bitten für die Tiere und Pflanzen,
belebte Materie, Wasser, Luft und Wind.
Und für uns, kleiner Teil des großen Ganzen,
bitten wir um Zukunft und Umkehr.
Bewahre uns Gott, in Zeit und Ewigkeit.
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Lied "Bewahre uns, Gott"
Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
Text: Bewahre uns, Gott EG 171,
Melodie: Anders Ruuth, Text: Eugen Eckert, Strube Verlag, 1985
Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
"Peaceful Space"
Peaceful Space
What if we just could see the future through the eyes of open skies
with kindness as our single compass, where people dream, to see the same stars.
I cross every bridge, climb every hill, where our hopes are waiting still.
From love would every creature sing, the light, that dawns in everything.
A world that’s fair, all soul‘s embrace, in every heart a peaceful space, a peaceful space,
a peaceful space.
Let’s plant the seeds of real change now, and breathe a life of endless care.
The world’s been turning sideways, but we can choose the way we go.
We don’t have to be all alone, where paradise is waiting still.
From love would every creature sing, the light, that dawns in everything.
A world that’s fair, all soul‘s embrace, in every heart a peaceful space, a peaceful space.
From love would every creature sing, the light, that dawns in everything.
A world that’s fair, all soul‘s embrace, in every heart a peaceful space, a peaceful space,
a peaceful space, a peaceful space – peaceful space.
Text und Musik: Til von Dombois / Hanna Jursch
aus "Komm, wir sing’n für den Frieden, 8 Friedensorte – 8 Friedenslieder"
www.friedensorte.de
